Unternehmergespräch mit Professor Dr. Thomas Bauer, Aufsichtsratsvorsitzender der Bauer-Gruppe Schrobenhausen

„Auch einmal stur bleiben“

15. 01. 2019

Auch einmal stur bleiben, nicht gleich alles hinwerfen, die Ruhe bewahren: Es klingt nicht wie ein Lehrstück aus einer Unternehmer-Fibel, was Prof. Dr. Thomas Bauer, Mitinhaber der Bauer-Gruppe in Schrobenhausen, als Erfolgsrezept beschreibt. Ähnlich ungewöhnlich: Bauer hat sich bereits im Alter von 63 Jahren aus dem operativen Geschäft (Vorstand) „seiner“ Firma (seit der Gründung 1790 in achter Generation in Familienbesitz) zurückgezogen.

Seitdem leitet er „nur noch“ den Aufsichtsrat, nachdem er das Unternehmen mit heute weltweit über 11.000 Mitarbeitern 30 Jahre lang aufgebaut und geführt hatte. Die Bauer AG ist Weltmarktführer im Bereich Spezialtiefbau (Brunnen, U-Bahn-Schächte, Brückenfundamente, Staubecken uvm.) samt dem Bau der dazugehörigen Spezialmaschinen. Neben seiner Unternehmertätigkeit bekleidet Bauer zudem zahlreiche Funktionen in Wirtschaftsverbänden, er ist Landesschatzmeister der CSU und er war 25 Jahre Gastprofessor an der Technischen Universität (TU) München.

Im Presseclub sprach jetzt der „Bayerische Vorzeigeunternehmer“ über ein Familienunternehmen, das zum Global Player wird, über einen Mann, der Einblicke hat in die Wirtschaftswelt wie nur wenige andere, über eine Welt, in der es Protektionisten Unternehmern zunehmend schwer machen. Aber auch über Abschiede und neue Lebensabschnitte, über Netzwerke und Verbundenheit. Und darüber, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen – und wieder abzugeben.

Stefan Stahl (Augsburger Allgemeine), Moderator des Abends, wollte zunächst Gründe für das eher frühe Ausscheiden des Unternehmers aus dem operativen Geschäft seines Unternehmens wissen. Bauer begründete die Übergabe des Vorstandsvorsitzes an Dr. Michael Stomberg mit seiner eigenen Vita. Bereits mit 27 Jahren sei er (nach Studium und USA-Aufenthalt) in die elterliche Firma eingestiegen – und er habe sofort Führungsaufgaben übernommen. Das Auslandsgeschäft sei schlecht gelaufen, er habe es übernommen und auf Kurs gebracht. Seine 40-jährige Liebe für die Niederlassung in Ägypten sei stets so groß gewesen, dass Bauer explizit diesen Firmenzweig (der mit rund 1800 Mitarbeitern vor allem an den U-Bahn-Schächten in Kairo baut) bis heute leitet. Als sein Vater sich gesundheitsbedingt zurückziehen musste, habe er mit 31 Jahren 1986 die Firmenleitung übernommen. Um aber die Firma nicht zu sehr von seiner Person abhängig zu machen und um den Übergabeprozess selbst gestalten zu können, sei er diesen Schritt gegangen. Früher, als alle von ihm erwartet hätten.

Immer wieder habe das Unternehmen große Krisen überstehen müssen. Konjunkturelle ebenso wie Individuelle. Spezialtiefbau finde nur im Boden statt, so Bauer, das Medium berge Sondergefahren mit außergewöhnlichen Unfall-Risiken. Bauer nannte das Beispiel der Kölner U-Bahn, seine eigene Baustelle war damals nur 300 Meter entfernt. Er machte auch kein Geheimnis um den derzeit eher schlechten Börsenkurs seiner Firma, denn „wir hatten in den letzten fünf Jahren drei Baustellen, die schlecht gelaufen sind“. In Jordanien beispielsweise habe man einen Auftrag für 50 Brunnen, aber die kompliziere Geologie bringe es mit sich, dass jeder Brunnenbau (bis in 800 Meter Tiefe) acht statt der geplanten zwei Wochen dauere, sodass man am Ende wohl 30, 40 Millionen Verlust eingefahren habe (bei einem weltweiten Jahresumsatz der gesamten Gruppe von rund 1,7 Milliarden Euro).

Warum Bauer trotzdem als eines der wenigen großen deutschen Bauunternehmen bisher alle Krisen überstanden habe, anders als andere? „Wir haben immer versucht, es unternehmerisch zu lösen“, so Bauer. Ein Problem eines Bereichs im Unternehmen habe mit Erfolgen in einem anderen Bereich gelöst werden können. In den 90er Jahren sauste der Ferne Osten, die sogenannten Tiger-Staaten, erklärte Bauer. Plötzlich aber brachen in Thailand, Malaysia, Südkorea die Währungskurse zusammen. Bauer war dort mit 25 Prozent vertreten, „wir haben von einem auf den anderen Tag 70 Prozent des Umsatzes verloren“. „Aber“, so der Unternehmer, „wir haben gekämpft, das Problem zu lösen. Sind da geblieben und bekamen in Malaysia eineinhalb Jahre später einen Großauftrag für ein Kraftwerk, mit dem wir die Verluste von eineinhalb Jahren wieder hereinholen konnten.“

Bauer erklärte auch, warum es so schwierig ist, seine Art von Unternehmen von außen durch Banken oder Analysten zu beraten. „Wir verkaufen die Fähigkeit, eine U-Bahn zu bauen, wir verkaufen keine Produkte. Und wir sind ein reiner Spezialist in vielen vielen kleinen Dingen, machen 1,7 Milliarden Umsatz, wir bauen ca. 100 verschiedene Maschinen, machen jedes Jahr 1000 Baustellen in aller Welt (zwischen dem Polarkreis in Kanada und den Bergen in Bhutan). Du musst Dich absetzen von der Konkurrenz, du musst sich spezialisieren, wir müssen das Klein-Klein perfektionieren“, so Bauers Rezept. Auf Dauer habe ein Unternehmen wie seines angesichts der weltweiten Konkurrenz im Massen-Markt (China) eine bessere Chance, weil es viel beweglicher sei.

Gefragt nach der deutschen Baukonjunktur resümierte Bauer: „All meinen Konkurrenten in Deutschland geht es gut, wir hingegen sind in vielen Ländern der Welt, wo es uns weh tut. Aber wir konnten über das Ausland ausgleichen, was wir in Deutschland nicht verdienen konnten.“ In Deutschland werde die Baukonjunktur noch fünf bis sieben Jahre halten, weil Geld fürs Bauen da ist, man es aber aus unterschiedlichen Gründen nicht gleich verbauen kann (Planungsleistungen, fehlende Grundstücke). Immobilienpreise steigen weiter, weil die Grundstückspreise steigen.

Weithin bekannt geworden ist Thomas Bauer vor 25 Jahren als einer der Väter eines Verhaltenskodex, der sich mit Ethik in der Baubranche beschäftigt. Ausgehend vom Kanal-Korruptionsskandal, in den viele bayerische Bauunternehmen involviert waren, habe man nach Lösungen gesucht. Angelehnt an entsprechende Ideen aus Amerika entwickelten die Unternehmen ein eigenes Ethik-Management-System, das wie ein Schneeball-System funktioniert. Der Ethikverein habe vielen Anderen ein Beispiel gegeben, habe der Branche sehr gut getan, fast alle der großen deutschen Bauunternehmen, rund 180, seien Mitglieder, Bestechung seither kein großes Thema mehr.

Viel erzählen könne er, Bauer, aus den Führungszirkeln der CSU, denen er als Landesschatzmeister seit vielen Jahren angehört. „Hahnenkämpfe“ wie jenen zwischen Horst Seehofer und Markus Söder seien Medien-gemacht. In wichtigen Gesprächen der Parteileitung gehe es super-professionell zu, so Bauers Beobachtung. Aber: Journalisten müssten etwas veröffentlichen, sie müssen sich etwas überlegen, wenn sie nach vier Stunden Wartens noch kein Ergebnis präsentiert bekämen, so seine Kritik. Wieder die absolute Mehrheit für die CSU in Bayern zu erringen, das sei (für Markus Söder) sehr schwer. „Viele Jäger sind des Hasen Tod, einer gegen fünf ist schon ein mathematisches Problem“. Die absolute Mehrheit für die CSU setze voraus, dass wohl andere Parteien aus dem Landtag ausscheiden müssten. Gegen den grassierenden Populismus anzukommen, sei ebenfalls schwierig. Bauers Empfehlung (an seine Partei, für die er seit über 20 Jahren im Neuburg-Schrobenhauser Kreistag sitzt): „Klare Programmarbeit ist mir das Wichtigste. Es muss uns wieder gelingen, unsere gute Programm-Arbeit nach außen zu tragen.

Weitere Rezepte Bauers für seinen Erfolg: Privates und Geschäftliches müssen sich die Balance halten. „Ich habe in allen Jahren meinen Urlaub genommen, das geht, man muss es richtig organisieren“. Und dann seine Maxime: in Verantwortung für die Region, die Menschen, die Mitarbeiter handeln.“

Michael Siegel

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