Besuch im schwäbischen Handwerkermuseum und der Sonderschau „Wer will fleißige Handwerker sehn“ im Puppenmuseum „die Kiste“

Das Handwerk gestern, heute, morgen und auf der Puppenbühne

28. 09. 2016

Einen Dreiklang in Sachen Handwerk erlebten die Gäste des Augsburger Presseclubs unter dem Motto „Handwerk im Blickpunkt“. Einem Gespräch mit Ulrich Wagner, dem Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Augsburg und Schwaben (hwk) folgte ein Besuch des schwäbischen Handwerkermuseums und anschließend ein Besuch der Sonderschau „Wer will fleißige Handwerker sehn“ im Museum „Die Kiste“ der Augsburger Puppenkiste.

„Das Handwerk brummt“, lautete Ulrich Wagners Fazit zur aktuellen konjunkturellen Lage des schwäbischen Handwerks, was allerdings auch bedeutet, dass es bei der Handwerkskammer und ihrem Geschäftsführer brummt. Derzeit herrsche im schwäbischen Handwerk Vollbeschäftigung, mehr noch, seit geraumer Zeit könne in Branchen wie der Bauwirtschaft gar von einer Überkonjunktur gesprochen werden. Folge sei ein anhaltender Fachkräftemangel, der laut Wagner vor allem zwei Gründe habe. Einerseits bringe es der demografische Wandel mit sich, dass es immer weniger junge Leute und damit weniger Nachwuchs für das Handwerk gebe. Dazu sei ein Trend zur Akademisierung zu beobachten, der dem Handwerk ebenfalls junge Leute koste, aber auf der anderen Seite zu einer problematischen Akademikerüberversorgung führe. Und das, wo in der nächsten Zeit im schwäbischen Handwerk rund 4000 Betriebe zur Übergabe anstünden. Wenig Hoffnung macht nach Wagners Worten in dieser Situation das Thema Asylbewerber. Zwar unternehme die Kammer und viele angeschlossene Betriebe Beispielhaftes in Sachen Ausbildung und Heranführung ans Handwerk, es bedürfe aber noch sehr vieler Anstrengungen. Viele Bewerber würden es hingegen nicht schaffen, in einen hochqualifizierten Handwerksberuf zu gelangen. Ein wichtiges Thema für Wagner ist die anstehende Digitalisierung im Handwerk. Es handle sich um einen entscheidenden Weg der Zukunft, das Handwerk müsse hier mit eingebunden werden. In Sachen Erbschaftssteuerreform erwarte das Handwerk in erster Linie Rechtssicherheit. Man dränge bei der Politik darauf, dass die Vererbung eines Unternehmens ohne Substanzgefährdung stattfinden können müsse. Schließlich verwies Wagner auf die 46-Millionen-Euro-Investition der Handwerkskammer in den Ausbau eines Aus-und Weiterbildungszentrums am Siebentischwald.

Impressionen zur Geschichte so mancher Handwerksberufe ermöglichte der Besuch des schwäbischen Handwerkermuseums nur wenige Schritte entfernt gelegen vom Museumscafé der Augsburger Puppenkiste, wo das Gespräch stattgefunden hatte. Im Handwerkermuseum waren dessen Leiter, Michael Messer und sein Kollege Walter Spaar den Journalisten kundige Informanten. Gleich, ob ein uralter Beruf wie der des Baders, ein Beruf mit hoher Kunstfertigkeit wie der des Gold- und Silberschmiedes oder ob „modernere“ Berufsbilder wie die des Photographen oder des Büromaschinentechnikers - es blieben kaum Fragen offen. Und die Medienschaffenden erfuhren etwas über die mögliche Herkunft einer Weisheit wie „Wer schön sein will, muss leiden“, blickte man auf teils Furcht einflößende, altehrwürdige Gerätschaften eines Friseurs.

Höhepunkt des Besuchs im Handwerkermuseum war zweifellos der Aufstieg in den historischen Kastenturm. Er ist einer von drei Wassertürmen an diesem Ort, die im 17. Jahrhundert erbaut worden sind, vor allem, um an den Prachtbrunnen in der Stadtmitte die Fontänen sprudeln zu lassen. Nicht weniger als 179.000 Liter Wasser wurden damals täglich allein in den Kastenturm hochgepumpt, von wo sie anschließend in die Maximilianstraße weiterflossen. Bis 1879 war der Turm in Betrieb, so Michael Messer, bevor er durch eine Anlage am Hochablass (einem Lechwehr) ersetzt wurde. Heute obliege es dem schwäbischen Handwerk, diesen Turm für die Zukunft zu erhalten und zu gestalten, vor allem vor dem Hintergrund der Augsburger Bewerbung um den Titel einer UNESCO-Weltkulturerbestadt zu dem Thema Wasserwirtschaft.

Und dann ging es wieder zurück in den benachbarten Gebäudekomplex, der neben der Augsburger Puppenkiste auch das angeschlossene Museum „Die Kiste“ beherbergt. Noch bis Mitte Januar 2017 läuft dort in der einen Hälfte des Museums die Sonderausstellung „Wer will fleißige Handwerker sehn“ (die andere Hälfte des Museums zeigt als Dauerausstellung die bekannten Stars an Fäden wie das Urmel aus dem Eis, Jim Knopf und Lukas den Lokomotivführer oder Kalle Wirsch). Dabei haben die Augsburger Handwerker Unterstützung auch von anderen Puppenbühnen bekommen. Etwa von einem Müller aus dem Figurentheater Köln oder von Schuster, Schneider und Schmied aus dem Nationalmuseum in Prag. Wichtig, so Christoph Mayer, Vorsitzender des Vereins „Freunde des Augsburger Puppenspiels“: All diese Puppen haben ihren Beruf in Bühnenstücken ausgeübt, niemand wurde „nur“ für die Sonderschau hergestellt. Rund 60.000 Gäste zählt das Puppenmuseum jährlich, so Meyer, unlängst konnte der 900.000 Besucher begrüßt werden.

Michael Siegel

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