Podiumsgespräch mit Augsburgs leitendem Branddirektor Frank Habermaier

Da blitzt und raucht es

08. 12. 2016

Musste die plötzliche Schließung des Theaters Augsburg wirklich sein? Braucht Augsburg eine Feuerwehr-Erlebniswelt? Um diese und weitere Fragen ging es auf einer Podiumsveranstaltung des Augsburger Presseclubs mit Augsburgs leitendem Branddirektor Frank Habermaier im Lehrsaal der Augsburger Berufsfeuerwehr in der Berliner Allee. Geleitet wurde sie von Robert Linsenmeyer (112-Grad-Medien) und Alfred Hornauer (Presseclub-Mitglied seit 1970). Vorangegangen war die Jahreshauptversammlung des Presseclubs.

Ja, die Liebe zur Feuerwehr sei ihm quasi schon ins Kinderbett gelegt worden, bekannte Branddirektor Habermaier. Geboren in Heidelberg trat er bereits als Jugendlicher in die Freiwillige Feuerwehr ein, so wie es der Großvater, Vater und Onkel vorgelebt hatten. Schon damals sei sein Berufswunsch Feuerwehrmann entstanden, vor dessen Hintergrund er sich für ein Chemiestudium entschieden hatte. Nach einem Umweg über Mönchengladbach sei er 1992 als leitender Branddirektor in Augsburg gelandet, so Habermaier.

Das Aufgabenspektrum der Feuerwehr zuzuspitzen sei heute unmöglich. Seine Mitarbeiter bei der Berufsfeuerwehr seien im Sinne des Wortes „Mädchen für alles“ - wenn auch gerade einmal drei von 288 Mitarbeitern der Augsburger Berufsfeuerwehr Frauen seien. „Wenn ich nicht weiß, was ich tun soll, rufe ich bei der Feuerwehr an“, charakterisierte Habermaier die Stimmungslage. Brände gebe es es dann und wann auch zu löschen, die Mehrheit der Aufgaben liege aber inzwischen in anderen Bereichen. Rund 5000 Einsätze habe die Augsburger Berufsfeuerwehr jedes Jahr zu absolvieren, ob es etwas mehr oder weniger werden, sei vor allem Unwettern geschuldet.

Bislang habe die Augsburger Berufsfeuerwehr keine größeren Probleme gehabt, ihren Nachwuchs zu rekrutieren. Für den mittleren Feuerwehrdienst würden in der Regel junge Männer mit einer abgeschlossenen handwerklichen Berufsausbildung angestellt – Leute, die dann, wenn es keine Einsätze gebe, in der Feuerwehr-eigenen Kfz-Werkstatt oder Schreinerei arbeiten können, beispielsweise um das eigene Gerät oder die Wache selbst auf Vordermann zu halten.

Ein Themenkomplex galt den Freiwillige Feuerwehrleuten, wie es sie in fast jedem bayerischen Dorf gibt. Ob diese noch nötig sind, man sie noch brauche? „Wir brauchen sie auf jeden Fall, ohne sie hätten wir viele Probleme“, so Habermaier angesichts der Leistungen der Freiwilligen der Wehren aus den Stadtteilen Göggingen, Haunstetten oder Oberhausen. Je nach Größe einer Wehr könne man die Freiwilligen vor allem Nachts und an Wochenenden einsetzen. Bezüglich des Titels „Feierwehr“ bekräftigte Habermaier, dass seines Wissens in anderen Vereinen ebenso gefeiert werde. Der Feuerwehrdienst sei schwer und mit nichts vergleichbar, weil man nie weiß, wann etwas passiert. Wie es kommen könne, wenn einmal keine Freiwilligen mehr zur Verfügung stehen, sei man am Beispiel Englands sehen, wo zwar auch die Feuerwehr komme, wenn es brennt, wo es aber auch einmal 40 Minuten dauern könne. „Dann ist das Haus halt weg.“

Breiten Raum nahm das vieldiskutierte Thema der unerwarteten plötzlichen Schließung des Augsburger Stadttheaters aus Feuerschutzgründen im vergangenen Sommer ein. Habermaier führte aus, dass die Darstellung der Vorgänge in den Medien verkürzt und plakativ gewesen sei. Brandschutzmängel gab es dort „schon immer“, früher galten aber noch andere Vorschriften. 2010 sei ein größeres Gutachten in Auftrag gegeben worden, wo eine externe Sachverständige sich offensichtliche Mängel anguckte (fehlende Türen, lange Fluchtwege). Im Zuge der näher rückenden, anstehenden Sanierung wurde jetzt erneut intensiver gesucht und geprüft, stets vor der Maxime, 600 oder 700 Zuschauer müssen im Brandfall sicher aus dem Gebäude herauskommen. Plötzlich waren Löcher in der Decke aufgetaucht, durch die Rauch direkt in den Zuschauerraum kommen kann. Die Folge könnten laut Habermaier Rauch, Panik, Tote sein. Hier sei es auch aus seiner Sicht nicht mehr möglich gewesen, noch eine ganze (geplante) Spielzeit sicher in dem Gebäude auszurichten. Oberbürgermeister Kurt Gribl habe letztlich die schnelle Schließung zum Ende der Spielzeit 2015/2016 verfügt. Dabei habe die Frage nach der der Verantwortung eine wichtige Rolle gespielt. „Ich bin gescholten worden für meine Einschätzung für die Schließung“, so Habermaier, „aber wehe, es wäre etwas passiert“.

Abschließend ging es um die geplante „Feuerwehr-Erlebniswelt Bayern“: Es gebe noch einen Hoffnungsschimmer für dieses derzeit umstrittene Projekt, so Habermaier, der sich in dem Trägerverein stark engagiert. „Es ist und nicht gelungen, deutlich zu machen, was wir wollen. Dass es etwas Besonderes, etwas Einmaliges, eine große Chance für Augsburg ist. Wir sind kein Museum, wir sind ein Fun-Park“, so der Branddirektor. Die Erlebniswelt sei nicht das 81 deutsche Feuerwehrmuseum, sondern „da ist was los, da gibt es was zu erleben, da blitzt und raucht es, da kann man etwas machen.“ Derzeit sei der Stand der Diskussion so, dass ein privater Investor eine neue Halle bauen will, die der Verein miete. Dort hinein würden dann die Attraktionen integriert werden, aus den Eigenkapitalmitteln des Vereins. „Den laufenden Betrieb können wir aus den Einnahmen decken, so Habermaier, der jährlich um die 100.000 Besucher erwartet.

Michael Siegel

 

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