Podiumsdiskussion über die Zukunft der Augsburger Innenstadt als Handelszentrum

Einkaufen und mehr in der „City of Peace“

06. 05. 2015

Wo seid Ihr, Ihr Günzburger, Dillinger, Donauwörther, Aichacher, Landsberger ...? Der Augsburger Innenstadthandel vermisst seine Umland-Kunden. Für das Ausbleiben werden verschiedene Gründe genannt: die leidige Parkplatz-Situation, Baustellen, unterschiedliche Öffnungszeiten ... In der Stadtverwaltung versucht man Abhilfe zu schaffen: Wirtschafts-Bürgermeisterin Eva Weber geht mit ihrem Team in die Offensive und versucht, neue Impulse für die Innenstadt zu setzen. Um die Besucherfrequenz wieder zu steigern, wurden in Abstimmung mit der City-Initiative, dem Handelsverband Bayern und der IHK gemeinsame Maßnahmen entwickelt. Letztes Beispiel: die Anfang Mai gestartete „Und jetzt kommst Du“-Kampagne.

Wird das reichen, sind die Weichen richtig gestellt, zieht der Handel mit? Diese und ähnliche Fragen standen jetzt beim Augsburger Presseclubs zur Debatte. Auf dem Podium Eva Weber der Vorsitzende des Innenstadt-Gewerbebeirats und des Einzelhandelsverbands, Ulrich Mayer sowie als Spezialisten Dr. Markus Hilpert von der Uni Augsburg (seine Schwerpunkte sind u.a. Standortmarketing, Stadtentwicklung und Freizeitforschung). Die Moderation hatte Jürgen Marks aus der Chefredaktion der Augsburger Allgemeinen.

Die Veranstaltung stand noch unter dem Eindruck des Augsburger Marktsonntags, der gleichsam auch eine Eröffnungsveranstaltung für die erneuerte Innenstadt um Kö und Fußgängerzone sein sollte. Eva Weber zeigte sich mit dem Marktsonntag sehr zufrieden, es sei der beste überhaupt gewesen. Händler und Kunden hätten sich überwiegend lobend geäußert. Und – ein wichtiger Indikator: Es gab Fahrzeugschlangen vor den Parkhäusern ob des Andrangs auswärtiger Besucher. Ähnlich die Einschätzung Ulrich Mayers, der in der Fußgängerzone ein Spezialitätengeschäft betreibt. Angesichts des regnerischen Wetters, aber wegen der groß angelegten Werbekampagne sagte er „gigantisch“.

Als ein durchaus geeignetes Mittel sieht Markus Hilpert die Kampagne, auch wenn er selbst nicht alles verstanden habe. Sehr wichtig sei es, Einkaufsgewohnheiten, Routinen zu brechen. Dazu könne eine auffällige Kampagne beitragen. Ulrich Mayer erklärte, der Innenstadt-Gewerbebeirat habe für die forsche, direkt Ansprache votiert. Die neue Kampagne habe bereits positiv gewirkt.  In der Erweiterung ermögliche sie auch, zu kommunizieren, dass sich in Augsburg auch neben Handel und Gastronomie etwas tue.

Markus Hilpert benannte Gründe, warum Städte generell, warum auch Augsburg Kunden verloren haben. Innenstädte allgemein hätten das Problem, Käufer in die Stadt zu bekommen angesichts von steigendem Internethandel, wo praktisch jedes Handy als Einkaufsmaschine diene. Eine weitere Schwierigkeit für die Innenstadt sind Gewerbestandorte an den Stadtränder, die eine unglaubliche Dynamik entwickeln, die sehr attraktiv werden, wo sich auch Cafes ansiedeln, ein Ambiente entsteht, wo es Festchen gibt – und Parkplätze zur Genüge. Sein Fazit: so wie in den 80-er Jahren wird es wohl nicht mehr werden.

Im Falle Augsburgs kommen hausgemachte Schwierigkeiten hinzu: Das Umland sei ohne Auto nur schlecht an die Stadt angebunden. Dazu kämen Straßenbaustellen, Parkplatzprobleme. Die Bequemlichkeit der Kunden dürfe nicht unterschätzt werden. Ein weiterer Faktor: Augsburg habe viele Institutionen mit Zentralitätsfunktion aus der City verloren: Handwerkskammer, Arbeitsamt, Polizei und andere sind ausgezogen. Der Innenstadt seien vor allem Einkaufen und Gastronomie geblieben, die Innenstadt sei nicht mehr multifunktionell.

Ulrich Mayer betonte, das (nicht in der absoluten Innenstadt gelegene) Einkaufszentrum City-Galerie mache einen Teil der Attraktivität des Augsburger Handels aus. Mit den Fußgängerströmen in die Innenstadt unterstütze das Einkaufszentrum die auf dem Weg gelegene Altstadt als Eldorado für kleine, alternative Geschäfte. Wissenschaftler Hilpert erkannte ebenfalls positive Aspekte ausgehend von der City-Galerie, sah sie aber zweifelsohne als Konkurrenz zum innerstädtischen Einzelhandel, die Kaufkraft aus der Innenstadt abziehe.

Ein Aspekt der Diskussionsrunde galt der Frage nach einer „Stadtmarke“, einem markanten Slogan. Eva Webers Meinung: Die Marke Augsburg muss für sich sprechen. Ulrich Mayer kann sich vorstellen, „dass ein Slogan uns gut tun könnte, dass er Interesse wecken könnte. Denn keine große Marke kommt heute ohne Slogan aus.“ Sein Vorschlag: bezugnehmend auf das Friedensfest am 8. August Augsburg weltweit als City of Peace zu etablieren.

Noch wichtiger als einen Slogan ist laut Markus Hilpert das Thema Image: Welches Image lasse sich nach außen verkaufen, sei die Frage? Nicht immer sei für Kunden die konkrete Nutzbarkeit eines Angebots entscheidend, sondern allein schon das Wissen, dass es etwas gibt.

Eva Weber blieb es überlassen, zu erklären, warum das eine oder andere in Augsburg erst jetzt passiere. So bei der Frage nach Zuständigkeiten. Stadtmarketing, City-Initiative, Regio Tourismus, wer macht eigentlich was? Hier sei das städtische Medien- und Kommunikationsamt an der Arbeit nach einem Konzept und an der Koordinierung. Ähnliches gelte (mit andern Akteuren) für die derzeit laufende Erarbeitung eines Parkleitsystems. Oder für das Thema Augsburg und Einkaufen im Internet („Es ist noch Luft nach oben“). Einmal mehr sei auf das Jahr 2015 gewartet worden, weil zuvor noch die Bagger in der Fußgängerzone gestanden hatten.

In der anschließenden Diskussion wurde der „Mobilo“ hinterfragt, eine Wertmünze, mit der Händler Parkhausbenutzern einen Teil ihrer Gebühren erstatten können. Dieser Mobilo werde, so Ulrich Mayer, von seinen Händlerkollegen bislang nur sehr eingeschränkt eingesetzt, über die genauen Gründe lasse sich nur spekulieren, es könne aber an den Kosten liegen.

Zur Sprache kam auch die Sorge, dass Augsburg sich zwar intensiv um die Kunden von Auswärts kümmere, aber dabei seine 280.000 Bürger aus den Augen verlieren könnte. Dem hielt Bürgermeisterin Weber entgegen, dass gerade der Handel in den Stadtteilen ein Arbeitsschwerpunkt ihres Wirtschaftsreferates sei.                                                                          

Michael Siegel

 

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