Diskussion der OB-Kandidaten

Das Duell

25. 02. 2008

Der Eine würde gerne Karl Mays „Old Shatterhand“ spielen, der Andere sieht sich dagegen eher in der Rolle des schrägen „Monk“ aus der gleichnamigen Krimiserie – verblüffende Bekenntnisse zweier promovierter Juristen, die am 2. März den OB-Sessel Augsburgs erringen wollen. Der Presseclub Augsburg hatte die zwei aussichtsreichsten Bewerber (von insgesamt acht) um eben diesen Sessel zu einer öffentlichen Podiumsdiskussion geladen: Amtsinhaber Dr. Paul Wengert (SPD) und sein parteiloser Herausforderer Dr. Kurt Gribl, der für die CSU antritt, trafen beim „Duell der OB-Kandidaten“ im Barbarasaal aufeinander.

Ein Duell unter Leitung und Moderation der Journalisten Anja Marks-Schilffarth (Bayerisches Fernsehen), Dieter Baur (Vorsitzender des Presseclubs und ehemaliger Leiter der Bayern-Redaktion der Süddeutschen Zeitung) und Alfred Schmidt (Leiter der Stadtredaktion der Augsburger Allgemeinen), das kurz vor der Kommunalwahl auf großes öffentliches Interesse stieß. Im voll besetzten Barbarasaal wurden rund 600 Besucher von den Staatspreisträgern Stephan Holstein und Helmut Nieberle mit Klarinette und E-Gitarre erst mal musikalisch heiß gemacht, bevor eine Fernseh-Straßenumfrage auf der Großleinwand die Diskussion einleitete. Auch wenn in Augsburgs Rathaus derzeit ein buntes Mehrheitsbündnis („Regenbogen“) von SPD, Grünen, ÖDP und Freier Bürger Union regiert – im Barbarasaal sahen die Diskutanten öfters mal rot. Immer wenn sie ihre Redezeit von jeweils maximal drei Minuten überschritten hatten, gab ihnen die große Ampel auf der Bühne das Signal.

Zu insgesamt sechs Themenfeldern (Politisches Klima, Wirtschaft/Finanzen, Kultur/Schule/Sport, Verkehr, Stadtgesellschaft, Außenpolitik) stellten die drei Moderatoren im Wechsel eine breit gestreute Palette an Fragen. Der Herausforderer, ein bis dato politischer Neuling, trat bewusst sachlich, beinahe nüchtern auf und vermied rhetorische Spitzen. Der Amtsinhaber zeigte sich redegewandt und wartete – naturgemäß – mit viel Hintergrundwissen und umfangreichem Zahlenmaterial auf.

 

Rot gesehen

Die Diskussion begann aggressiv. Gegen Gribls Vorwurf, er betreibe eine „Basta-Politik“, wehrt sich Wengert: „Die Bürger haben auch ein Recht auf Entscheidungen, wenn die Zeit reif ist. Sonst geht nichts voran in dieser Stadt!“ Dass die Vielzahl von Bürgerbegehren in Augsburg das Gegenteil beweisen würden lässt Wengert nicht gelten: „Sie wurden missbraucht. Vier von sechs Begehren wurden aus der Mitte der Stadträte initiiert“, das sei kein Ausdruck der Unzufriedenheit von Bürgern an der Stadtregierung. Gribl wirft ihm dagegen vor, dass er immer erst gehandelt habe, wenn ein Begehren vor der Türe gestanden sei. Für Wengert ein Reizthema, er redet sich in Rage, verweist auf seine zahlreichen Bürgerbeteiligungsprojekte – zumindest in der ersten Stunde sieht der SPD-OB da schon mal öfters die rote Ampel.
Sachlicher wird’s beim Thema Wirtschaft, bei dem sich beide über die gute Konjunktur freuen. Wengert verweist stolz darauf, dass in seiner Amtsperiode solide gewirtschaftet wurde. 60 Millionen Euro Rechnungsfehlbeträge seiner Vorgänger wurden abgebaut, zusätzliches Geld erwirtschaftet, so dass nun auch in Großprojekte wie FCA-Stadion oder Stadtbücherei investiert werden kann – „alles solide investiert und ohne dass wir Tafelsilber veräußert oder Abgaben erhöht haben“. Gribl sieht dagegen die Rankings, in denen Augsburg am unteren Ende steht und fordert die Einführung eines starken Wirtschaftsreferenten, um Unternehmen besser zu unterstützen. Man müsse sehen, dass Augsburg mittlerweile extrem hohe Schlüsselzuweisungen erhält: „Die Wirtschaftskraft der Stadt ist zu schwach.“
Zum Stadttheater stehen beide Kontrahenten („Ein Juwel“). Gribl sieht allerdings zu wenig Unterstützung für die Breitenkultur in den Stadtteilen oder für Angebote für die Jugend. Wengert hebt Veranstaltungen wie Pax- oder Mozartjahr als Leuchtturmprojekte von großem Wert für die Stadtwerbung hervor. Hier sei viel investiert worden, ohne dass einem anderen Kulturträger etwas weggenomen worden wäre.
Auch im und für den Breitensport müsse mehr getan werden, meint Gribl. Die Stadt unterstützt den Breitensport bereits mit acht Millionen Euro, trotz des Baus des FCA-Stadions habe man hier keine Abstriche machen müssen, kontert Wengert.
Viel investiert, nämlich 70 Millionen Euro, wurde im Schulbereich (Wengert: „Das ist mehr als in den zwölf Jahren zuvor zusammen“). Sorgen bereitet beiden der Run auf die Augsburger Gymnasien – hier müsse mit Hilfe des Freistaat unbedingt etwas getan werden.

 

„Keine Bananenrepublik“

Apropos Freistaat. Wengert kehrt gerne sein „gutes Verhältnis“ zu Ministerpräsident Beckstein heraus. Sein selbstbewusstes Auftreten auch in München habe sich für Augsburg bezahlt gemacht – im Gegensatz zum „Schmusekurs“ der Augsburger CSU. Gribl sieht hier dagegen eher Erfolge der CSU-Abgeordneten aus der Region, Wengert habe viel Porzellan in München zerschlagen. Als er einen CSU-OB für hilfreicher bei Verhandlungen in München hält, ist das eine Steilvorlage für Wengert: „Wir leben doch in keiner Bananenrepublik!“.

Trotz einiger erstaunlicher Gegensätze (Gribl: „Ich verlange ein Gesamtkonzept für den Verkehr!“ Wengert: „Wir haben einen Gesamtverkehrsplan, der laufend fortgeschrieben wird!“) haben beide Kontrahenten eine ähnliche Zukunftsvision: Sie sehen Augsburg im Jahr 2014 als einen modernen Technologie-Standort mit Lebensqualität für alle und mit sicheren Arbeitsplätzen.

Wer den Weg dorthin ebnen darf, das muss nun der Wähler entscheiden. Presseclub-Vorsitzender Dieter Baur gab den Besuchern schon mal seine persönliche Wahlempfehlung mit auf den Weg: „Gehen Sie zur Wahl. Wer am 2. März nicht wählt, der darf am 3. März nicht schimpfen!“
Ach ja! „Old Shatterhand“ spielen würde gerne der frühere Richter Paul Wengert, und Fachanwalt Kurt Gribl den „Monk“. Das ergab die amüsante Schnellfragerunde am Ende.

Christian Doser

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