Beckstein im Interwiew

Beckstein im Presseclub Augsburg

28. 01. 2008

Den Rotwein des Presseclub-Vorsitzenden Dieter Baur nahm er dankendentgegen, doch nach einem anstrengenden Augsburg-Tag gelüstete esMinisterpräsident Günther Beckstein nach anderem: „Habt ihr auch einWeizenbier da?“, fragte er im Kaiserhofsaal derStadtsparkasse. Vor fast150 Gästen ließ er sich ins Gespräch ziehen von den beiden Moderatoren, den Münchner Landtagskorrespondenten der Augsburger Allgemeinen Uli Bachmeier und PeterRichter.

Als Regierungschef hat sich Beckstein gut eingelebt. Mit der Floskel„Ich bitte um Nachsicht“ leitete der 64-Jährige immer wieder Sätze ein,die seine Sachkompetenz in der Staatskanzlei betonten. Fragen „an denehemaligen Innenminister“ verbat er sich. „Es ist viel reizvoller, aufneuem Terrain auszuprobieren, was ich kann“, sagte er. Munter ging esum die Hessen-Wahl, die CSU-Leitung, um Bildung und Arbeit, Migrationund Sicherheit. Hochfliegende Ambitionen hat er nicht mehr: „Ich träumenicht davon, als Bundeskanzlerin oder Papst wieder in den Presseclub zukommen“, beteuerte Beckstein. Nur ein erfolgreicher Ministerpräsidentwolle er sein – auch über die nächste Landtagswahl hinaus.
Neben den Journalisten, darunter die vollzählige Chefredaktion unsererZeitung, hörten Landgerichtspräsident Frank Arloth, RegierungspräsidentLudwig Schmid, Handwerkskammer-Geschäftsführer Ulrich Wagner,Uni-Vizepräsident Werner Wiater, Chefarzt Wolfgang von Scheidt,Polizeidirektor Walter Böhm, Notar Bernhard Jerschke, Weltbild-VorstandCarel Halff, Puppenkiste-Chef Klaus Marschall, der Unternehmer HubertStärker, OB Paul Wengert (SPD) und sein CSU-Herausforderer Kurt Griblsowie die Stadtsparkassen-Vorstände Werner Lauterbach, Werner Rau undWalter Eschle und der Kreissparkassen-Chef Richard Frank zu.

Alois Knoller, Augsburger Allgemeine, Lokalredaktion

 

>>>Video-Mitschnitt des Becksteinbesuchs im Presseclub Augsburg<<<

 

Die Methode Beckstein

Es klingt fast wie eine Kampfansage. „Unter einemMinisterpräsidenten Beckstein wird es keinen Euro für eineExpress-S-Bahn vom Münchner Hauptbahnhof zum Flughafen geben.“ Es sindklare Worte, mit denen sich Günther Beckstein beim AugsburgerPresseclub hinter das bayerische Prestigeobjekt Transrapid stellt.
Wenn ein Oberbürgermeister Ude auf ein 1,85-Milliarden-Projekt wie denTransrapid verzichten kann, fügt Beckstein an, „dann geht es München zugut“. Einer Stadt übrigens, in der zusammen mit dem Landkreis ErdingVollbeschäftigung herrsche. „Da kommt’s auf ein paar 1000 Arbeitsplätzemehr oder weniger nicht an.“ Ihm, dem Franken, sei ohnehin jederArbeitsplatz wichtiger, der außerhalb der Landeshauptstadt entstehe.Daher: Wenn München den Transrapid nicht wolle, sondern sich für eineExpress-S-Bahn stark mache, würden andere Städte darunter nicht leidenmüssen. Aus dem allgemeinen Topf für den Nahverkehr würden jedenfallskeine Mittel abgezweigt. „Die berechtigten Wünsche zum Ausbau derInfrastruktur in Augsburg, Nürnberg, Würzburg und Regensburg haben aufjeden Fall Vorrang vor einer Express-S-Bahn in München.“
Die Themen haben sich geändert, mit denen ein Günther Beckstein sichseit gut 100 Tagen im Amt des Ministerpräsidenten zu beschäftigen hat.Plötzlich sind es nicht mehr die Kriminalität oder die Polizei,Jugendgewalt und Drogendelikte, zu denen er sich in seiner gewohntstrikten wie konservativen Art äußert. Plötzlich sind es dieBildungspolitik, die Strompreisentwicklung, der Nokia-Skandal oder ebendas Leuchtturmprojekt Transrapid, wozu man von ihm Antworten erwartet.„Aber es ist doch auch viel reizvoller, auf neuem Terrainauszuprobieren, was man kann“, fügt Beckstein an – und grinstverschmitzt wie ein fränkischer Schulbub.
Viel hat sich geändert seit der Ära Beckstein: Die Themen, das Getränkauch, vor allem aber der Ton. Früher, bei Stoiber, wäre ein Glas Wasserauf dem Podium bereitgestanden. Günther Beckstein lässt sich ersteinmal ein Weißbier bringen. Und jeder, „der in der Staatskanzlei freiherumläuft“, wie er sagt, müsse heute damit rechnen, von ihm im Gang,auf der Treppe, im Aufzug angesprochen zu werden. „Ich frage nach, wasder Mitarbeiter macht. Und was sein wichtigstes Problem ist“, erzähltBeckstein munter. Schließlich müsse er als Ministerpräsident jetzteinen „ziemlich großen Laden motivieren“.
Diesen Laden, gibt er zu, hat er unterschätzt – nach 19 Jahren Chef imInnenministerium. In der Staatskanzlei, „wo ein viel höheresMachtbewusstsein herrscht“, habe er den Mitarbeitern erst einmalbeibringen müssen, „dass wir Dienstleister sind. Denn der Staat wirdvon den Bürgern bezahlt.“ Auch seine Fahrer. „Die mussten lernen,rücksichtsvoller zu sein“, plaudert Beckstein aus dem Nähkästchen – wegvom „Hoppla, jetzt kommt der Ministerpräsident“-Image.
„Ein wenig kleiner, ein wenig seriöser – das ist die MethodeBeckstein“, sagt er. Wobei er darauf besteht, ganz und gar nichtweichgespült zu sein. „Ich mache nur die Arbeit eines erfolgreichenMinisterpräsidenten weiter. Ich wäre doch völlig verrückt, jetzt Dingezu kritisieren, bei deren Entstehung ich mitgewirkt habe.“ Sein Vertraglaufe erst einmal bis 28. September: „Und wenn jetzt alle sagen, derBeckstein ist langweilig, bleibt mir mehr Spielraum für Neues.“

Andrea Kümpfbeck, Augsburger Allgemeine

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