Ekin Deligöz im Presseclub Augsburg

Auch im Presseclub unter Polizeischutz

25. 01. 2007

Die gegen sie gerichteten Integration: Drohungen ihrer türkischenLandsleute haben Ekin Deligöz nicht einschüchtern können. „Ich würde eswieder genauso sagen“, erklärte die Bundestagsabgeordnete im AugsburgerPresseclub. Drei Monate nachdem die Politikerin mit ihremKopftuchappell konservative Kräfte in der islamischen Welt gegen sichaufbrachte, steht die 37-Jährige noch immer unter Polizeischutz. Sobegleiten sie auch Personenschützer des Bundeskriminalamtes, als siesich zu Fragen der Integration, dem EU-Beitritt der Türkei undnatürlich zum Kopftuch Rede und Antwort stand.

„Ich hatte einen Appell an muslimische Frauen gerichtete und nicht etwa ein Verbot gefordert“, stellte Deligöz noch einmal klar. Ihr Appell war an die in Deutschland lebenden türkischen Mädchen und Frauen gerichtet gewesen. Ihren Worten zufolge will sie weder die Religionsfreiheit einschränken noch den Islam missachten. Ihre Kritik richte sich gegen „die Funkton des Kopftuches als politisches Symbol“, das nämlich Frauen unterdrücke.
Freilich hatte die Mutter eines fünfjährigen Sohnes in den vergangenen Wochen Angst – nicht so sehr um mich, sondern viel vielmehr um meine Familie“. Ihre Leibwächter begleiteten sie sogar in den Skiurlaub. In dieser für sie schweren Zeit wurde Deligöz vor allem von ihrem Großvater unterstützt. „Er sagte zu mir, höre nicht auf deine Onkels und Tanten. Ich bin stolz auf dich und darauf, wie wir dich erzogen haben.“ Ab diesem Zeitpunkt gab es für sie kein zurück mehr. „Ich dachte, wenn das sogar mein Großvater sagt, muss ich das durchziehen.“
Selbstbewusst und kämpferisch verteidigt die schwäbische Vorsitzende der Grünen vor Mitgliedern des Presseclubs ihre Position – nicht nur zum Kopftuchstreit.

Integration: Einerseits würde laut der Politikerin die islamische Religion häufig dafür missbraucht, dass in Deutschland lebende Moslems sich von der Gesellschaft abschotteten. Andererseits würden diese Menschen häufig mit Vorurteilen und Ablehnung konfrontiert – auch in ihrem Heimatland. Darum fänden viele ihre Identität nicht in der Gesellschaft, sondern in der Religion. Deligöz: „Die Politik muss hier also ein Gefühl des Willkommens vermitteln. Brücken zwischen den Menschen vermitteln und Vorurteile abbauen.“

EU-Beitritt der Türkei: Die Nation sei ein fortschrittliches, aufstrebendes und westlich denkendes Land, das die EU nicht ablehnen dürfe, so die türkischstämmige Deutsche. Der Beitritt wäre ein Gewinn, wovon alle profitierten. Zudem sei das Land die Brücke zur islamischen Welt. Werde die Türkei allerdings abgelehnt, stoße man die demokratischen Kräfte vor den Kopf.

Schwarz/Grün: Falls die CSU bei der Landtagswahl 2008 unter 50 Prozent fallen sollte, „wird es dennoch nicht zur ersten schwarz-grünen Koalition im Freistaat kommen“.

von Klaus Kiesel