Sportarzt und Dopingkontrolleur Dr. Helmut Pabst (München) im Augsburger Presseclub

Der Dopingjäger Helmut Pabst

24. 05. 2007

Er ist ein Freund klarer Worte und ein Feind desDopings: Sportarzt und Dopingkontrolleur Dr. Helmut Pabst (München)sprach im Augsburger Presseclub über dopende Kollegen, schmutzigeTricks und die wenigen Sportler, denen er noch vertraut.

Telekom-Dopingskandal „Ich bin erschüttert, dass sich zwei Kollegen von mir reinziehen haben lassen”, sagt Dr. Pabst. Ihn hat nicht überrascht, dass im Rad-Rennstall Telekom gedopt wurde, und er ist froh über die Geständnisse der Ex-Fahrer. Dass aber die Teamärzte („ich kenne sie, sie sind fachlich hervorragend”) verbotene Mittel besorgten und spritzten, ärgert ihn. Der Kontrolleur ist für harte Strafen: „Wenn ein Arzt ein Dopingnetzwerk aufbaut, muss man ihm die Approbation entziehen.” Er ist sich sicher, dass die beiden Ärzte der Uniklinik Freiburg nicht die einzigen sind, die Doping unterstützten, denn: „Um professionell zu dopen, brauchen sie Ärzte. Ich bin mir sicher, dass jetzt einige Kollegen unruhig schlafen.”

Doping im Sport/Radsport „Ich war immer überzeugt, dass relativ viele Sportler verbotene Mittel zu sich nehmen”, sagt Dr. Pabst. Im größten Radrennen der Welt, der Tour de France, „wurde großflächig gedopt”. Die Erklärung: „Die Tour ist physiologisch gesehen ein Unsinn.” Nach anstrengenden Bergetappen seien die Sportler „leer”, die Ruhepause zu kurz. Verbotene Mittel könnten aber helfen.

Lücken im Kontrollsystem „Die Kontrollen kann man, wenn man geschickt ist, immer noch umgehen”, sagt der Kontrolleur. Er weiß von Radsportlern, die sich mit hohen Dosen auf Kreuzfahrtschiffen dopen, weil sie dort für Kontrolleure kaum zu erreichen sind. Zu Hause machen sie mit so geringen Mengen weiter, dass ihnen niemand auf die Schliche kommt. Dr. Pabst kennt die Tricks der Doper, die manches Mal auch unappetitlich sind: Sportler tauschen kurz vor Kontrollen ihren Urin gegen fremden aus, oder „reinigen” die Probe mit Waschpulver. Pabst und seine Kontrolleure haben jedoch ihre eigenen Tricks, um die Sportler doch zu erwischen.

Wünsche des Dopingjägers „Wir brauchen Kontrollen zur richtigen Zeit, wir müssen Sportler testen, wenn es für sie Sinn machen würde, zu dopen.” Bislang wurden die rund 4500 Trainingskontrollen (für rund 9000 Sportler) ausgelost. Künftig sollen weniger Athleten gezielter kontrolliert werden.

Ertappte Sünder sollen seiner Ansicht nach nicht nur eine Sperre bekommen, sondern auch einen Teil der gewonnenen Preisgelder zurückbezahlen: „Das tut weh.” Und der Münchner ist für ein Anti-Doping-Gesetz, damit auch Staatsanwälte ermitteln können.

Saubere Sportarten Der Dopingjäger zögert, wenn man ihn danach fragt. Golf? Er lächelt und sagt: „Sie werden keine Sportart mehr in Ruhe anschauen können.” In einigen, zum Beispiel Fußball, lohne sich Doping jedoch weniger als im Radsport.

Saubere Sportler Dr. Helmut Pabst vertraut ausgerechnet einem Radsportler: Jens Voigt. „Von dem kann/will ich mir das nicht vorstellen. Von dem hoffe ich, dass er sauber ist.”

Dr. Helmut Pabst
Dr. med. Helmut Pabst ist Inhaber der Firma „pwc _ Medizinische Testverfahren im Sport” in Gilching bei München, die fast alle Doping-Kontrollen in Deutschland vornimmt (rund 4500 pro Jahr).
Der ehemalige Bundesliga-Basketballer ist 64 Jahre alt und Vater von fünf Töchtern.
Seit Anfang der siebziger Jahre arbeitete er unter anderem als Verbandsarzt bei deutschen Eisschnellläufern und beim Deutschen Eishockeybund. 1992 war er betreuender Arzt bei den Olympischen Sommerspielen in Barcelona für die Marathonläufer.
1994 gründete er die Firma pwc. Rund 70 freie Mitarbeiter sind für das Unternehmen unterwegs, um den Sportlern Urin- und Blut-Proben abzunehmen.