Fürther Landrätin im Presseclub

Gabriele Paulis Träume

19. 09. 2007

Zwei Nächte gab die Fürther Landrätin Gabriele Pauli dran, um das Programm aufzuschreiben, mit dem sie den CSU-Parteitag davon überzeugen will, dass sie die richtige Parteivorsitzende ist. Im Presseclub Augsburg erläuterte sie, warum ihr die Delegierten den Vorzug vor ihren Konkurrenten Erwin Huber und Horst Seehofer geben sollen, die auch schon Gäste des Presseclubs waren: Sie setzt auf Gottes Hilfe.

Ob der „schönen Landrätin“ Gabriele Pauli im Kampf um Edmund Stoibers Nachfolge der liebe Gott zur Seite steht, wie sie hofft, ist freilich eher offen. Immerhin bekräftigte sie im Presseclub, dass es ihr ernst ist mit der programmatischen Forderung, zivile Ehen sollten auf sieben Jahre befristet werden. Nicht nur für die CSU-Granden, sondern auch für die Kirchen ist das nicht diskussionsfähig. Beobachter meinen deshalb, die Hilfe des Himmels werde Pauli nach dem Parteitag erneut anrufen müssen, womit sie aber kein Problem hat. Denn auch wenn sie demnächst nicht mehr Landrätin ist (bekanntlich kandidiert sie nicht noch einmal), wenn sie nicht Parteivorsitzende wird, wenn sie eventuell nicht einmal mehr in den CSU-Vorstand gewählt wird, wenn sie also „nichts mehr“ hat, hilft ihr, so sagt sie, der Glaube: „Ich weiß, dass es Gott mit jedem Menschen gut meint. Wir haben von oben eine Sicherung.“

Allerdings auch von unten: Die 50-jährige Pauli rechnet nicht damit, dass sie auf ihre Pension von monatlich rund 4000 Euro warten muss, bis sie 62 ist. Dies könnte zwar der Fürther Kreistag beschließen, wenn er meint, es gebe keinen wichtigen Grund für Paulis Verzicht auf eine erneute Kandidatur im Landkreis Fürth - was die aber bestreitet. Nach 18 Jahren im Landratsamt habe sie so gut wie alles abgearbeitet, was sie sich vorgenommen habe, es sei deshalb höchste Zeit, sich neu zu orientieren und an einen Nachfolger zu übergeben.

So greifen die bewältigte Vergangenheit und die offene Zukunft ineinander, die sie mit Hilfe Gottes und ihres Programms bewältigen will. Das enthält tatsächlich Gedanken, die sich Politiker zu Herzen nehmen könnten, wenn sie etwas gegen die Politik- und Wahlmüdigkeit der Bürger tun wollen. Eine „ehrliche Politik“ , der Menschen wichtiger sind als Macht, fordert sie. Politiker möchte sie sehen, die nicht bloß machen, was ihnen von oben, von der Parteispitze, vorgegeben wird, sondern das, was die Menschen unten wollen. Eine CSU will sie erleben, die in der bundesdeutschen Parteienlandschaft beispielgebend ein Führungsrolle übernimmt, indem sie innovativer, offener, liberaler ist als alle anderen Parteien.

Womit klar ist, dass Pauli die CSU total umkrempeln möchte – im großen Ganzen, aber auch im Detail. Noch ist ja in der Partei nicht vermittelbar, dass auch Nicht-Mitglieder mitentscheiden sollen, dass die Regierung guten Politikern anderer Parteien Posten anbieten soll, dass in den Ministerien externe Fachleute mitentscheiden sollen, dass der Ministerpräsident direkt vom Volk gewählt werden soll, und zwar höchstens zweimal, dass die Zahl der Schulsozialpädagogen nicht mehr reduziert, sondern aufgestockt werden soll, dass statt des Transrapid der öffentliche Nahverkehr stärker gefördert werden soll, dass der Türkei nicht auf Dauer der Weg in die EU versperrt werden soll ...

Und wenn all das den Delegierten auf dem Parteitag nicht zu vermitteln ist? Nun, ein Misserfolg wird Pauli nicht brechen, denn „ich brauche den Erfolg nicht“. Sondern sie will auf jeden Fall an den dicken Brettern weiter bohren, bis der erwünschte Denkprozess in der CSU in Gang kommt, die ihre politische Heimat ist und bleibt, auch wenn ihr der noch amtierende Parteivorsitzende Stoiber schon nahegelegt hat, sich doch eine andere Partei zu suchen.

Dieter Baur